Meine Vorbilder im Genre Fantasy

Vorbilder sind immer nur dann sinnvoll, wenn sie einem etwas beibringen. Besser noch, wenn sie einen zunächst packen, dann umhauen und zuletzt auf wundersame Weise durchblicken lassen, wie ihnen das gelungen ist.

Ich habe viele gut geschriebene Fantasyromane gelesen, aber nur drei von ihnen erfüllten die oben genannten Kriterien.

Da war zunächst einmal eine Novelle oder Kurzgeschichte von Richard Cowper, einem Lehrer und Anglisten, der vorwiegend Science Fiction schrieb. Aber:
„Piper at the Gate of Dawn“, oder in seiner deutschen Übersetzung kurz „Morgendämmerung“ betitelt, war und ist für mich reinste Fantasy. Der Novelle folgten die drei Romane „The Road to Corlay“ (Am Tor der Dämmerung) und „A Dream of Kinship“, von der ich die deutsche Übersetzung nicht kenne, und „A tapestry of Time“ (das Webmuster der Zeit). Cowper war ein Stilist. Cul de Sac, der letzte Band der Serie, war leider ein wenig glücklicher Abschluss des Zyklusses.

Etwas später las ich Ursula Le Guins Earthsea Trilogy, die ich in einem Second Hand Shop für Taschenbücher in Cambridge fand.

Das dritte Buch war „The Lord of the Rings“ von Tolkien, ein Buch an dem niemand vorbeikommt, der sich mit Fantasy befasst.

Ich muss zugeben, dass es bei allen drei Autoren zunächst die Sprache war, die mich erst packte und dann umhaute. Es war Ursula LeGuin, die einmal darauf hinwies, dass Fantasy eine besondere Sprache benötigt. Wird sie in einer Alltagssprache geschrieben, gleichgültig wie gekonnt, und würde man die Könige durch Politiker und die Magier durch PR-Agenten ersetzen, dann erhielte man einfach einen Thriller. Wo sie das sinngemäß so formuliert hat, müsste ich ihrem Kommentar entnehmen, der irgendwo in den finsteren Ecken meiner Bücherregalwelt verschwunden ist. Aber wichtig ist für, dass alle drei von mir genannten Autoren in dieser besonderen und kraftvollen Sprache schreiben und nur wenigen anderen das in dieser Art gelingt.

Jede der drei Welten hat ihre eigenen Gesetze. Diese Gesetze sind keine Allerweltsgesetze, sondern sehr spezifisch, fein durchdacht und basieren überdies auf ganz bestimmten Grundüberzeugungen. Dadurch sind die Gesetze der Welt auch Gesetze der Autoren, sodass ich zweimal etwas erfahre. Für meinen persönlichen Geschmack gelingt das niemandem besser als Tolkien. Aber exzellente Settings kann man selbstverständlich auch bei anderen Autoren als bei meinen drei Favoriten finden.

Es gibt in jedem der drei Bücher eine zentrale, ganz besondere Idee, der sich die Handlung unterordnet. Bei Tolkien könnte es auf den ersten Blick der Kampf zwischen Gut und Böse sein, doch ist das ein Grundkonflikt, der immer wieder gestaltet wird, und deshalb nicht der Rede wert. Aber bei der Betonung magischer Gegenstände wie Saurons Ring oder das Schwert, das zerbrach und erneut geschmiedet wurde, sieht es schon anders aus.
Bei Cowper ist es die Sehnsucht der Bevölkerung nach einer besseren Zeit. Ein altes Erlösungsbild mit einem Opfer. Ich kenne keinen anderen Zyklus, in dem dieses Motiv so ausgeprägt ist.
Und Ursula LeGuins Grundidee ist so einfach, wie sie magisch ist: Was du mit dem rechten Wort benennen kannst, das kannst du auch bannen. Und die alten Worte, die die Drachen noch wissen und die Menschen in mühsamer Arbeit zurückgewinnen müssen, sind immer die richtigen Worte.

Es wäre etwas überheblich, wenn ein Autor sich in eine Reihe neben seine eigenen Vorbilder stellen würde. Aber vielleicht kann der Leser nun besser verstehen, warum meine Bücher so geworden sind, wie sie sind. Mit allen ihren Stärken und allen ihren Schwächen.

Der einzigartige Schreibratgeber

Ich liebe Schreibratgeber. Ich habe unzählige davon gelesen. Manchmal tatsächlich um einen Rat zu bekommen, manchmal nur zum Zeitvertreib und manchmal, um etwas über den Menschen zu erfahren, der hinter den Ratschlägen und Überlegungen steht.

Ob Schreibratgeber einem weiterhelfen hängt in so starkem Maße davon ab, wo man selbst schreiberisch steht, was sowohl die Beherrschung des Handwerks betrifft wie auch die Einschätzung des eigenen Kreativprozesses (Bin ich ein Planschreiber, ein intuitiver Schreiber oder stehe ich dazwischen?), dass ich kein Buch empfehlen möchte. Und doch gibt es einen einzigen Schreibratgeber, die ganz große Ausnahme, die nach einiger Zeit alle anderen schlägt.

Es ist ein Schreibratgeber, der für eine Zielgruppe geschrieben wird, wie sie schärfer nicht definiert werden kann. Die Leserschaft dieses Ratgebers besteht nur aus einem einzigen Menschen. Es ist der, der ihn geschrieben hat.

Vielleicht verspürt ja mal jemand die Lust, einen solchen Schreibratgeber zu verfassen. Er bewegt sich dabei auf einer guten Grundlage, denn es heißt nicht ohne Grund: Wer anderen etwas zu erklären versucht, lernt selbst am meisten dabei.

Damit das nicht ganz so abstrakt klingt, stelle ich hier ganz kurz meine Logbuch- oder Journalmethode vor.

Ich sammele alle Erkenntnisse und alle Textstellen, über die ich gestolpert bin, in einem einzigen File und versehe jeden Abschnitt mit einem oder mehreren Schlüsselwörtern. Nach einiger Zeit gibt es durch eigene Not oder Interesse irgendwo eine Häufung, aus dem ich dann ein eigenständiges Thema mache. Und schon habe ich ein Kapitel für den Schreibratgeber.

Ein einfaches Beispiel sind Anfänge von Romanen. Kurzgeschichten gehorchen etwas anderen Gesetzen. Wenn man genügend interessante Romananfänge gesammelt hat, kann man schnell feststellen, dass diese sich auf eine begrenzte Anzahl von Typen reduzieren lässt. Wer jetzt glaubt, er brauche diese Typen nur zu kopieren, wird wenig Erfolg haben. Man braucht auch Stilsicherheit und Ausdruck dazu, aber es immerhin schon mal ein Anfang.
Und es gibt außerdem jede Menge exzellenter Romane, die ausgesprochen nichtssagend anfangen und trotzdem ein Riesenerfolg waren.

Ein komplexeres Beispiel ist der Umgang mit den Charakteren. Ich merkte relativ schnell, dass mein Kapitel aus zwei Teilen bestand. Einmal geht es darum, wie ich einen spannenden Charakter erschaffe, der mehr als nur ein Abziehbild ist. Aber sollte ich ihn haben, dann muss ich mir auch den Kopf darüber zerbrechen, wie ich ihn einführe.
Ob ich jetzt bei der Charaktererschaffung mit langen Listen arbeite oder die Figur mit der Handlung wachsen lasse, hat viel mit der Art zu tun, wie man denkt und schreibt. Aber genau das ist der Vorteil dieses einzigartigen Schreibratgebers. Irgendwann findet man genau die Methode, die für einen selbst funktioniert.

Ach ja, noch zum Abschluss.
Dieser Schreibratgeber muss nie beendet werden, noch irgendwann erscheinen. Wahrscheinlich wird er an Umfang zunehmen, solange man Geschichten erzählen will. Er braucht nur den Wunsch, immer besser zu werden, und die Unzufriedenheit mit dem eigenen Können. Für den Rest sorgt er schon allein.

Neues aus…

… dem Verlag:

Ich habe soeben die letzten Verträge unterschrieben.
Pentamuria I ist ja jetzt schon seit einigen Wochen draußen und verkauft sich gut.
An Pentamuria II wird grad noch herumgeputzt.
Pentamuria III wird noch geschrieben, ist aber in der Mache.

Parallel dazu wird in den nächsten Wochen? Tagen? Der Zauberer erscheinen.
Ein Roman über einen Zaubergehilfen, der nicht zaubern kann. Unglücklicherweise verunglückt sein Meister und er wird zum Hofzauberer ernannt.

Ich habe also gut zu tun, und meine Motivation ist hoch.

Wann die Printversionen rauskommen, weiß ich noch nicht.