Das Konzept der Magie

Es hat mich immer fasziniert, wie sehr sich die Ethik in den großen Weltreligionen ähnelt. Der große Unterschied liegt in den Voraussagen, was nach dem Tod geschehen wird. Der Mensch, als ein endliches Wesen, wird immer nur einen winzigen Ausschnitt der Realität begreifen können und nie die Konzepte der Unendlichkeit, wo er doch überall Grenzen erlebt, oder der Allmacht, wo er doch ständig an der eigenen Unzulänglichkeit scheitert.
Deshalb habe ich mit Haimar einen Hintergrund geschaffen, in dem sich die Welt ständig grundsätzlich ändert, und dabei offen gelassen, ob diese Änderungen Realität sind oder Betrachtungsweisen, die sich, aus welchen Gründen auch immer, ändern.

Da nach meinem Verständnis ein Autor einen großen Bogen um jede Form der Beliebigkeit machen sollte, habe ich den Gedanken des Nichts als meinen Startpunkt gewählt, und mich daher in die Nähe des Taoismus begeben.
Die Magie, mit der für den Menschen alles anfängt und im günstigsten Fall auch alles aufhört, ist die Magie von Licht und Dunkel, von Yang und Yin, von weiß und schwarz. Und damit orientiere ich mich an dem I Ging, dem „Buch der Weissagungen“ oder dem „Buch der Wandlungen“, ohne den Anspruch zu erheben, dieses Buch zu verstehen. Ich bin mir noch nicht einmal sicher, ob das I Ging mehr ist als eine Art, die Welt zu beschreiben, oder ob es genau das Gegenteil ist, nämlich eine Art Spiegel, in dem der Mensch sich selbst sieht.

Und bevor alles zu ernst und seriös wird, gestatte ich mir dehn Hinweis, dass es letztlich reine Fiktion ist, die ich geschrieben habe.

Es ist kein Zufall, dass ich mit der Trilogie über Pentamuria begonnen habe und diese am Ende eines großen Zyklusses der Wandlungen steht. Nun gibt es einen möglichen Abschluss oder einen völligen Neubeginn.

Und letztlich bietet dieser Hintergrund nichts weiter als einen Rahmen für meine Charaktere, die sich alle mit Konflikten und Problemen herumschlagen, wie wir sie auch kennen. Dass ich eine Welt der Vergangenheit gewählt habe, hat nichts mit Realitätsflucht zu tun, sondern allein mit dem großen Vorteil, dass man es mit einem Blick in die Vergangenheit leichter hat, wesentliche Strukturen und Abläufe zu erkennen, die im modernen Gegenwartsleben und der Fülle der Details verschwinden.

Aber selbst unter diesen Voraussetzungen gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeit, zu leben. Einige sind im Gesamtkonzept als Möglichkeiten angerissen.

Aus dem Ersten Reich bleibt nur der magische Funke, nachdem sich ein Bewusstsein gebildet hat.

Aus dem Zweiten Reich stammen die Schamanen und die Reiter der Zeit, aber auch die Dämonen und die andere Welt, die der Träume und Erinnerungen, wie wir sie heute noch kennen.

Das Dritte Reich sieht den Menschen als eine Verbindung zwischen Himmel und Erde und hat die Gruppe der Oas, die damals noch aus Männern und Frauen bestand, um nicht vergessen zu werden.

Das Vierte Reich basiert auf dem Konzept der vier klassischen Elemente des Altertums. Dass zur Zeit Pentamuriens dieses Konzept nur noch von den Ossronkari, die sich in Höhlen zurückgezogen haben, gelebt wird, soll nur zeigen, dass auch machtvolle Konzepte aus dem Zentrum des Geschehens verschwinden können.

Aber immerhin ist das ein wichtiges Zeitalter, denn die Eremiten verstecken ihr Wissen im Knor-il-Ank, bei den Oas trennen sich die Männer von den Frauen und zum Ende hin werden die Fundamente von Ringwall gebaut.

Das Fünfte Reich zeigt mit den fünf Elementen der taoistischen Mythologie die stärkste Differenzierung. Es entstehen die Gruppen der Druiden und der Magier. Ringwall wird gebaut und wieder zerstört. Der Wandler wird im Buch Kypt aus gutem Grund nicht erwähnt.

 

Für den Prozess der Magieerweckung, der Ab- und Durchleitung von Energien habe ich Prozesse der Körperwahrnehmung und Körperarbeit bemüht, wie sie in der taoistischen Meditation, im Qi Gong und verschiedenen Kampftechniken zur Anwendung kommen.
Mir gefiel das besser als einen Zauber aus dem Nichts zu erschaffen, denn wenn es so einfach wäre, wären wir alle Magier. Was für ein Durcheinander würde das geben.

Ich wünsche viel Vergnügen bei der Lektüre meiner Geschichten.

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