Der einzigartige Schreibratgeber

Ich liebe Schreibratgeber. Ich habe unzählige davon gelesen. Manchmal tatsächlich um einen Rat zu bekommen, manchmal nur zum Zeitvertreib und manchmal, um etwas über den Menschen zu erfahren, der hinter den Ratschlägen und Überlegungen steht.

Ob Schreibratgeber einem weiterhelfen hängt in so starkem Maße davon ab, wo man selbst schreiberisch steht, was sowohl die Beherrschung des Handwerks betrifft wie auch die Einschätzung des eigenen Kreativprozesses (Bin ich ein Planschreiber, ein intuitiver Schreiber oder stehe ich dazwischen?), dass ich kein Buch empfehlen möchte. Und doch gibt es einen einzigen Schreibratgeber, die ganz große Ausnahme, die nach einiger Zeit alle anderen schlägt.

Es ist ein Schreibratgeber, der für eine Zielgruppe geschrieben wird, wie sie schärfer nicht definiert werden kann. Die Leserschaft dieses Ratgebers besteht nur aus einem einzigen Menschen. Es ist der, der ihn geschrieben hat.

Vielleicht verspürt ja mal jemand die Lust, einen solchen Schreibratgeber zu verfassen. Er bewegt sich dabei auf einer guten Grundlage, denn es heißt nicht ohne Grund: Wer anderen etwas zu erklären versucht, lernt selbst am meisten dabei.

Damit das nicht ganz so abstrakt klingt, stelle ich hier ganz kurz meine Logbuch- oder Journalmethode vor.

Ich sammele alle Erkenntnisse und alle Textstellen, über die ich gestolpert bin, in einem einzigen File und versehe jeden Abschnitt mit einem oder mehreren Schlüsselwörtern. Nach einiger Zeit gibt es durch eigene Not oder Interesse irgendwo eine Häufung, aus dem ich dann ein eigenständiges Thema mache. Und schon habe ich ein Kapitel für den Schreibratgeber.

Ein einfaches Beispiel sind Anfänge von Romanen. Kurzgeschichten gehorchen etwas anderen Gesetzen. Wenn man genügend interessante Romananfänge gesammelt hat, kann man schnell feststellen, dass diese sich auf eine begrenzte Anzahl von Typen reduzieren lässt. Wer jetzt glaubt, er brauche diese Typen nur zu kopieren, wird wenig Erfolg haben. Man braucht auch Stilsicherheit und Ausdruck dazu, aber es immerhin schon mal ein Anfang.
Und es gibt außerdem jede Menge exzellenter Romane, die ausgesprochen nichtssagend anfangen und trotzdem ein Riesenerfolg waren.

Ein komplexeres Beispiel ist der Umgang mit den Charakteren. Ich merkte relativ schnell, dass mein Kapitel aus zwei Teilen bestand. Einmal geht es darum, wie ich einen spannenden Charakter erschaffe, der mehr als nur ein Abziehbild ist. Aber sollte ich ihn haben, dann muss ich mir auch den Kopf darüber zerbrechen, wie ich ihn einführe.
Ob ich jetzt bei der Charaktererschaffung mit langen Listen arbeite oder die Figur mit der Handlung wachsen lasse, hat viel mit der Art zu tun, wie man denkt und schreibt. Aber genau das ist der Vorteil dieses einzigartigen Schreibratgebers. Irgendwann findet man genau die Methode, die für einen selbst funktioniert.

Ach ja, noch zum Abschluss.
Dieser Schreibratgeber muss nie beendet werden, noch irgendwann erscheinen. Wahrscheinlich wird er an Umfang zunehmen, solange man Geschichten erzählen will. Er braucht nur den Wunsch, immer besser zu werden, und die Unzufriedenheit mit dem eigenen Können. Für den Rest sorgt er schon allein.

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